Helmut Nowak

„Wahlkampf wie Boxkampf!“ – als PPP-Stipendiatin in Trumps Amerika

Paula Behnke berichtet, wie sie die USA unter Donald Trumps Präsidentschaft erlebt

Seit August 2016 ist die 16-jährige Leverkusener Gymnasiastin Paula Behnke als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) in Houston / Texas. Sie berichtet von ihren Erlebnissen und darüber, wie sich der unerwartete Wahlsieg von Donald Trump auf ihren Alltag ausgewirkt hat:

„Die Zeit des Wahlkampfes war sehr interessant. Egal welchen News-Sender man einschaltete, alle zeigten Trump und Clinton und ihre „Campaigners“ („Wahlkämpfer“). Allerdings ist das nicht mit dem Deutschen Wahlkampf zu vergleichen – hunderte Menschen kommen in den USA zu den Reden der Präsidentschaftskandidaten und jubeln für sie. Auch das generelle Prinzip des Wahlkampfes ist anders. Während in Deutschland Politiker ihr eigenes Programm bewerben und ihre Ziele vorstellen, wird in den USA sehr oft über die negativen Seiten des Gegners gewettert. Der politische Wahlkampf basiert stark auf Vergleichen.

In meiner Gastfamilie hatten wir durchgehend die Nachrichten eingeschaltet. Jeden Tag haben wir uns dann über Trumps neue Ideen beschwert, denn meine Familie ist demokratisch und nicht republikanisch orientiert. Insbesondere die Debatten verursachten bei uns viel Gesprächsbedarf. Es war sehr interessant, wie die Medien mit ihnen umgingen. Darüber sprach auch mein Geschichtslehrer im Unterricht. Während Berichte in Deutschland sehr neutral wirken (genauso wie auch auf dem offiziellen Sender des Weißen Hauses), präsentieren die Nachrichten-Sender die Debatten und so ziemlich alles, was mit dem Wahlkampf zu tun hat, mit sehr viel Tam-Tam. Was dem am nächsten kommt, ist wohl die Vorschau eines Boxkampfes auf SAT.1: dramatische Musik im Hintergrund, eine „Kampfansager-Stimme“ und sogar die typische Boxkampf-Glocke! Der Fokus scheint nicht auf der Debatte zu liegen.

Als dann der Wahltag immer näher kam, waren wir schon ein wenig erleichtert, dass der Medienwahnsinn bald endet. Als das Wahlergebnis feststand, waren wir sprach- und fassungslos. Es fühlte sich einfach „nicht wahr“ an. Auf Englisch würde man „Ridiculous!“ („Lächerlich!“) sagen. Nach einiger Zeit konnte man sich aber an den Gedanken gewöhnen, vor allem weil Trumps Wahlsieg keine lokalen Gesetze betrifft und man seine Amtszeit im Alltag eher nicht bemerkt. Nur die Medien berichten über seine Entscheidungen, und man spricht darüber. 

Paula Behnke vor dem Capitol

In der Woche vom 29. Januar bis zum 3. Februar 2017 war ich dann in Washington DC – Danke an Herrn Nowak dafür! Es ist das erste Jahr, in dem das PPP auch einen „Civic Education Enhancement Workshop“ („Kurs in politischer Bildung“) angeboten hat. Das Leitthema der Woche war „Leadership“ („Führungsverhalten“). Wir haben dazu die Denkmäler bekannter Führungsfiguren besucht: George Washington, Franklin Roosevelt, Thomas Jefferson, Martin Luther King Jr. etc. Ebenso haben wir diverse Museen besucht, darunter die National Gallery of Art, das Smithsonian Museum for African American History and Culture, das erst im September öffnete und sehr beliebt ist, das Newseum mit einer unfassbar guten Fotogalerie des Pulitzer Preises. Einmal waren wir auch im Hard Rock Café und haben das Basketball Spiel der Washington Wizards gegen die New York Knicks besucht.

Der Mittwoch der Woche war dann der spannendste Tag. Wir waren auf dem Capitol Hill auf uns alleine gestellt. Jeder hatte einen persönlichen Stundenplan mit drei Terminen, er besuchte die Senatoren seines Staates und den Congressman des Distrikts, in dem der jeweilige Schüler sein Jahr verbringt. Ich konnte zwar die Politiker nicht persönlich treffen, aber dafür besuchten der PPPler Yannick Gaeckle und ich deren Mitarbeiter. Einer der Mitarbeiter von Ted Cruz, dem Senator für Texas, war vor zehn Jahren selbst Teilnehmer des PPPs. Er verbrachte sein Auslandsjahr nahe Bremen, und hat, zurück in den USA, weiterhin Deutschkurse genommen, so dass sein Deutsch nahezu akzentfrei war! 

Als ich wieder zurück war, kehrte auch der Alltag zurück. Meine Freizeit verbringe ich entweder im Fitnessstudio oder mit Freunden. In den letzten Wochen hatten wir eine „Pyjama-night“ mit Freunden aus YoungLife, einem Club an unserer Schule, ich war im Kino und im Park. Wir hatten am Wochenende bis zu 27 Grad Celsius. Ansonsten komme ich jeden Tag zwischen 16.30 und 17.00 Uhr nach Hause und schaue fern wenn ich mit Hausaufgaben und -arbeiten fertig bin.

Wer mich kontaktieren möchte, kann das gerne auf meinem Facebookprofil oder auf meinem Blog unter gocreativ.wordpress.com tun. Ich freue mich auf Nachrichten.“

 

Titelbild: In Washington hatte die PPP-Stipendiatin Paula Behnke auch Zeit für einen Besuch im Supreme Court. 

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