Helmut Nowak

Zum Abschluss ein Abschlussball und eine neue Gastfamilie

Ein ereignisreiches Jahr in den USA neigt sich für die von Helmut Nowak MdB ausgewählte Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP), Paula Behnke, dem Ende zu. Heute berichtet sie von den zwei wichtigsten Ereignissen ihrer PPP-Schlussphase in Houston / Texas, dem Abschlussball und dem Umzug zu einer neuen Gastfamilie.

„Der Abschlussball – oder auch „Prom“, wie es hier in den USA heißt – an meiner Lamar Highschool war in vielen Aspekten anders als der Abschluss meines Bruders in Deutschland letztes Jahr. Was zuerst auffällt ist das Datum: Während die Abi-Gala in Deutschland nach den letzten Klausuren stattfindet, hatte meine Schule den Prom bereits Ende April. Es wurde ein großer Saal gebucht und mit Buffet, Fotoautomaten, Fotografen und Tanzfläche und DJ wurde für die Unterhaltung gesorgt. Der Abend an sich war wenig formell – es gab keine feste Zeit zum Erscheinen, keine Reden, keine Zeremonie. Es war ein klassischer Ball, bei dem alle „Seniors“ zusammen kommen und das baldige Ende der Highschool feiern.

Und dafür wird einiges an Geld ausgegeben. Die Tickets für den Ball kosten 75 Dollar, und falls man für den „After-Prom“ bleibt, zahlt man weitere 25 Dollar. Hinzu kommen noch die Kleidung (Anzug oder Smoking für die Jungs, Abendkleider für die Mädchen), Schmuck und für viele auch Make-Up und Frisur. Alles für vier Stunden Spaß! Gegen Mitternacht war der eigentliche Prom dann vorbei, die Schule hatte jedoch noch weiteres Programm geplant – den „After-Prom“. Dazu konnte man sich etwas Bequemeres anziehen und in einem anderen Teil des Gebäudes wurden Kasinospiele wie Roulette, Black Jack und Poker angeboten. Das Thema des Abends war nämlich „The Great Gatsby“ – ein Roman aus den 1920er Jahren.

Nach zwei Stunden gingen dann alle noch „übrig gebliebenen“ wieder in den Partysaal. Dort gab es sehr, sehr viele Preise in drei verschiedenen Verlosungen: Ein Fotowettbewerb (Geldpreis), eine Seniorverlosung (Geldpreis 207 Dollar oder 2017 Dollar) sowie eine Sachpreisverlosung, aufgeteilt für Seniors und Gäste. Die Seniorpreise beinhalteten mehrere Macbooks, Designerhandtaschen, Schmuck, Kameras, Kameradrohnen, Minikühlschränke etc. Die Eltern der Seniors sammeln seit dem „Freshman year“ (dem ersten Jahr eines Schülers an der neuen Schule) Geld, um die Preise für die Verlosung zu kaufen. Zur gleichen Zeit wurde auch ein „Frühstück“ angeboten. Um 4 Uhr morgens war dann alles vorbei, und meine Gastmutter holte mich ab.

An dem Tag nach dem Abschlussball habe ich zum ersten Mal meine zweite Gastfamilie getroffen. Der erste Eindruck war super und ich hatte einen schönen letzten USA-Monat bei den Cerasoulos. Dass ich umgezogen bin, lag nicht an Missverständnissen mit der vorherigen Gastfamilie, sondern nur daran, dass sie gerade viel um die Ohren hatte. Auch ans Packen habe ich deshalb schon frühzeitig gedacht. Durch den Umzug hatte ich einen kleinen Vorteil, denn mir wurde deutlich, dass ich einiges aussortieren musste. Dafür hatte ich dann beim endgültigen Auszug keine Probleme. 

Meine neue Gastmutter Linda war oft im Haus, da sie als Schauspielerin auf Vorsprechen wartete, Gastvater Gary ist Anwalt und war tagsüber im Büro. Meine zwei Gastbrüder, Nick (16) und Jordan (11), waren meistens zuhause, Nick jedoch geht zur „Summerschool“, um nächstes Schuljahr zwei Sportarten zu belegen.

Wir haben viel unternommen: Wir waren im Park Tretboot fahren, ich war mit Linda im Ballett, wir waren zusammen im Museum für Naturkunde und bei verschiedenen Abschlusszeremonien. Auch diese unterscheiden sich von deutschen Schulen, größtenteils in der Dauer. Die meisten Schulen haben sehr viele Schüler in den Abschlussgängen, Lamar etwa 900, so dass das Verkünden der Namen sehr lange dauert. Zuvor gibt es immer ein wenig Programm: Die Nationalhymne wird gesungen, manchmal auch der Treueschwur zu den USA („pledge of alliance“), es gibt Reden der Schuldirektoren und Jahrgangsbesten und des Bildungsausschusses der Schule. Abgeschlossen wird dann alles mit dem Werfen der Kappen, die von den Schülern getragen werden – ganz wie im Kino.“ 

Titelbild: Paula Behnke und ihre erste Gastmutter Annie

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