Helmut Nowak

„Angsterzeugende Behauptungen sind ein Werkzeug von Populisten! Angst ist kein guter Ratgeber!“

Ein Leserbrief von Dipl.-Ing. Rolf Kraneis

Einen interessanten, langen Leserbrief hat der Leverkusener Straßenbau-Ingenieur Rolf Kraneis an die Rheinische Post und den Leverkusener Anzeiger geschickt. Er wurde am 20. September 2017 gekürzt in der RP abgedruckt und am 21. September 2017 komplett im Leverkusener Anzeiger. Auf seine Einschätzung lenke ich gerne größere Aufmerksamkeit:

Zu den Berichten über die BAB-Untertunnelungen in Leverkusen in Wahlkampfzeiten

Es wird wohl richtig sein, dass hohe Feinstaub- und   Stickoxidbelastungen auf Dauer  gesundheitsgefährdend sind und die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigen. Der Autobahnverkehr ist jedoch nur ein Teil davon, wenn auch ein hoher Teil. Wenn aber so getan wird, man brauche den Verkehr nur in einen Tunnel zu legen – und alles ist gut – dann ist das ziemlich einfach gedacht, ja meines Ermessens sogar verantwortungslos infantil. Denn leider wird auch in einem Tunnel nicht nur Abgas mit Feinstaubanteilen, sondern auch Feinstaub durch Reifen- und Fahrbahnabrieb erzeugt. So, wie es bei jedem Reibungsfall vorkommt. Ohne Reibung keine Fortbewegung! Leider ist es auch so, dass sich der Substanzverlust der Schuhsohlen beim Spazierengehen als Feinstaub in der Umwelt wiederfinden wird, wie vieles andere auch, welches uns selbstverständlich erscheint. Folge: das Zeug ist mit einem Tunnel nicht weg! Nur Gurus meinen das! Das  Tunnelproblem liegt darin, dass das Zeug nicht nur unter dem Rhein gesammelt und in Leverkusen, z. B. in Bürrig oder Wiesdorf, in der Mitte des 6,5 km langen Tunnels konzentriert wieder ausgeblasen wird. Das sind bei zwei 20 Meter Durchmesser umfassenden Röhren nur ca. 4,0 Mio. Kubikmeter Luftvolumen – die Röhren der Verteilerrampen, der aufzuweitenden Verzögerungs- und Beschleunigungsstrecken sowie der Nothaltebuchten noch nicht einmal mitgerechnet.  Die mindestens vier Millionen Kubikmeter sind in einem Zeitraum auszutauschen, der das Atmen dort noch möglich macht. Das erfordert mächtige Ventilatoren.

Bislang konnte mir noch keiner der “Experten”, die mit der Feinstaubkeule hantieren, erklären, welche Feinstaubfraktionen überhaupt filterbar sind und welche nicht. Sollten Fraktionen im lungengängigen Nano-Meter-Bereich niedergeschlagen und gesammelt werden, bedarf es sicherlich sehr hoher elektrischer Leistungen für Elektrofilter und Lüftungsanlagen.  

Bisher hat noch keiner der Tunnel-Akteure auch nur ansatzweise mal konkret aufgezeigt, wie das alles so gebaut, so aussehen und funktionieren könnte. Auch nicht, was dazu erforderlich ist und wie lange daran gebaut werden muss – aber bitte realistisch – sowie welcher finanzieller Aufwand für Bau und Betrieb bereitzustellen ist. Jetzt kommen auch noch Leute mit der Untertunnelung der A 3 daher. Wohin sollen die 6 bis 8 Millionen Kubikmeter Aushub wie? Das ist etwas für Jules Verne in hundert Jahren und nach mir die Sintflut! Dann gibt es hoffentlich keine emittierenden Autos mehr. Wir brauchen Lösungen jetzt und heute, Lösungen die machbar und überschaubar finanzierbar sowie nicht von unsichtbaren Interessen gesteuert sind!

Klar ist doch, dass zu einem guten Lungenfacharzt mehr Patienten kommen, als zu anderen, klar ist doch, dass ältere Menschen eher sterben als junge, klar ist doch, dass Blaubeerkonsum gegen Feinstaub eine Glaubenssache ist und klar ist es, dass angsterzeugende Behauptungen ein Werkzeug von Populisten sind, die sich den Realitäten verweigern und zur Lösung eben nicht beitragen. Angst ist kein guter Ratgeber, besser ist umsichtige Vorsorge!

Der Staat kann nur mit dem Geld bezahlen, welches er vorher von seinen Bürgern einkassiert hat. Jeder Bürger, der das 1 x 1 des Lebens kennt, könnte diesen Gurus dabei auf die Sprünge helfen. Es stände auch dem Herrn Lauterbach gut an, auf dem Teppich zu bleiben und nicht mit Ängsten zu werben. Das ist genau nicht das, was von einem verantwortungsvollen “Leader” erwartet werden sollte. Herrn Jonas von der Schleswig-Holstein Siedlung habe ich mal gefragt, wie denn sein A 3-Tunnel hergestellt werden soll? Das wisse er nicht, war die Antwort. Kompetenz ist offensichtlich nicht gefragt bei diesen Leuten, weder bei “Lev muss leben” noch bei den A 3 Akteuren. Beide wurden und werden von Straßen.NRW, der Bezirksregierung und der ehemaligen rot-grünen Landesregierung hingehalten. Die neuen Leute in Düsseldorf müssen sich wohl noch einarbeiten. Beleg dafür sind die schon lange festgelegten Vorzugsvarianten und eingeleiteten Vorplanungen für die A 3 und dem Kreuz Leverkusen. Damit sind wiederum Zwangspunkte festgezurrt, die die Superstelze in Küppersteg zwangsläufig zur Folge haben. Sie wurden mit dem Bundesverkehrsminister der schwarz-roten Koalition schon in 2015 abgestimmt (Sachstandsgespräch am 3. Juni 2015 bei Straßen.NRW in Köln).

Herr Lauterbach hat in dieser Zeit seine Genossen in Düsseldorf nicht zur Ordnung gerufen und sich im Bundestag nicht um Leverkusener Gesundheitsprobleme gekümmert sowie die  Dilettanz von Straßen.NRW nicht gestoppt. Der Rat der Stadt Leverkusen hat gepennt, weil er wegen alter Abmachungen pennen wollte und zu nahe bei den Bayer-Deponie-Interessen wohnt. 

Realismus ist gefragt, keine Guru-Versprechen!“

 

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